Vérification de l’ombre • neue Bilder von Judith Haman

Vérification de l’ombre
eine Bilderserie von Judith Haman
Mai 2020
Tempera auf Papier
25 – 30 cm x 25 cm

Vérification de l’ombre
eine Bilderserie von Judith Haman
Mai 2020
Tempera auf Papier
25 – 30 cm x 25 cm
Preis pro Bild: 130.- € , mit Rahmen 150.- €

Bei Interesse senden Sie gerne eine Mail an Judith Haman: moxnox[at]hierunda.de
Wir senden Ihnen das Bild mit beiliegender Rechnung

Corona Papers #1: Bote und Botschaft ohne Körper

CORONA-PAPERS #1

Bote und Botschaft ohne Körper

Dies Bild fand Peter Weibel (ZKM Karlsruhe) in seinem Interview über die Auswirkungen der Corona-Krise.

Aus: Max Weber (1864-1920),  Diagnose der Moderne

„Es ist keinesfalls abwegig zu behaupten, daß die Auslöschung der Menschen mit dem Auslöschen der Keime beginnt, denn so wie er nun einmal ist, mit seinen Launen, seinen Leidenschaften, seinem Lachen, seiner Sexualität, seinen Ausscheidungen, ist der Mensch selbst nichts als ein dreckiger kleiner irrationaler Virus, der das Universum der Transparenz stört.
Wenn alles ausgemerzt ist, wenn der Virenentwicklung und jeglicher Ansteckung durch das Soziale oder durch Bazillen Einhalt geboten ist, dann wird, in einem Universum tödlicher Sauberkeit und Verfälschung, nur noch der Virus der Traurigkeit übrig bleiben.“

Aus: Michel Foucault, Die Geburt der Klinik, 1963, Kapitel 2: Ein politisches Bewusstsein 

„Epidemische Krankheiten nennt man alle jene Krankheiten, die eine große Anzahl von Personen zur selben Zeit mit denselben Symptomen befallen. Es gibt also keine Natur- oder Artdifferenz zwischen einer individuellen Krankheit und einem epidemischen Phänomen.
Es genügt, daß ein sporadisches Leiden gehäuft auftritt, dann ist es eine Epidemie. Es handelt sich um ein rein arithmetisches Problem der „Schwelle“: das Sporadische ist nur eine unterschwellige Epidemie. Wir haben es nicht mehr mit einer Wahrnehmung von Wesenheiten und Ordnungen zu tun wie in der Medizin der Arten, sondern mit einer Wahrnehmung von Größen und Zahlen.
Der Anhaltspunkt dieser Wahrnehmung ist nicht ein spezifischer Typ, sondern eine Verknotung von Umständen. Die vertrauten pathologischen Formen werden zitiert, um ein komplexes Spiel von Überkreuzungen zu bilden, etwa so wie Symptome eine Krankheit konstituieren. Der wesentliche Grund aber ist der Augenblick, der Ort, die scharfe, stechende, dünne schneidende Luft, die im Winter an diesen Orten herrscht.

Die Regelmäßigkeit der Symptome läßt keine Weisheit einer natürlichen Ordnung durchscheinen. Sie spricht nur von der Konstante der Ursachen, von der Hartnäckigkeit eines globalen Drucks, der eine bestimmte Krankheit hervorruft. Bald handelt es sich um eine Ursache, die längere Zeit anhält. Bald handelt es sich um Ursachen, die mit einem Schlag am selben Ort eine große Anzahl von Menschen angreifen, und zwar ohne Unterschied des Alters, des Geschlechts und des Temperaments.
Sie stellen die Tätigkeit einer allgemeinen Ursache dar, diese ist aber als rein zufällig zu betrachten, da die von ihr hervorgerufenen Krankheiten nur eine bestimmte Zeit herrschen. Man muß nicht erstaunt sein, daß sich die Krankheit trotz der großen Verschiedenheit der betroffenen Personen, ihrer Anlagen und ihres Alters, bei allen in denselben Symptomen zeigt. Das kommt daher, daß die Trockenheit oder die Feuchtigkeit, die Hitze oder die Kälte, sobald sich ihre Tätigkeit etwas ausweitet, eines unserer konstitutiven Elemente – Alkali – Salz – Phlogiston – zur Vorherrschaft bringt „dann sind wir den Wirkungen ausgesetzt, die dieses Element hervorruft, und diese Wirkungen sind notwendigerweise dieselben für die verschiedenen Personen.

Die Analyse einer Epidemie stellt sich nicht die Aufgabe, die allgemeine Form der Krankheit zu erkennen, indem sie ihr im abstrakten Raum der Nosologie (systematische Beschreibung von Krankheiten) einen Platz anweist. Sie will vielmehr unterhalb der allgemeinen Zeichen dem besonderen Prozess auf die Spur kommen, der je nach den Umständen von einer Epidemie zur anderen variiert, der von der Ursache der Krankheit zu ihrer Form einen Faden zieht, welcher allen Kranken gemeinsam ist, aber nur an diesem Raumzeitpunkt vorkommt. Während sich die artbestimmte Krankheit immer – mehr oder weniger – wiederholt, wiederholt sich die Epidemie niemals.

In dieser Wahrnehmungsstruktur kommt dem Problem der Ansteckung relativ wenig Bedeutung zu. Die Übertragung von einem Individuum auf ein anderes ist in keinem Fall das Wesen der Epidemie.
Sie kann zwar in der Form des „Miasmas“ (Verunreinigung, Ansteckung, krankheitsverursachende Materie), die durch faulige Prozesse in Luft und Wasser entsteht oder des „Gärungsstoffes“, der sich durch die Nahrungsmittel, durch die Berührung, durch den Wind, durch die umgebende Luft ausbreitet, eine Ursache der Epidemie bilden, sei es eine direkte und erste (wenn sie die einzige tätige Ursache ist), sei es eine zweite Ursache (wenn in einer Stadt oder in einem Spital das Miasma das Produkt einer epidemischen Krankheit ist, die von einem anderen Faktor hervorgerufen wurde).
Aber die Ansteckung ist nur eine Modalität des massiven Faktums der Epidemie.
Ob sie nun ansteckend ist oder nicht – die Epidemie hat eine Art historischer Individualität. Daher erfordert sie eine komplexe Beobachtungsmethode: man muß das Ereignis im Detail beschreiben, in Zusammenhang stellen, den die Wahrnehmung durch verschiedene Personen einschließt. Überschneidungen der Perspektiven, wiederholten und korrigierten Informationen.
Aber diese Erfahrungsweise kann ihre volle Bedeutung nur erhalten, wenn sie von zwingenden Maßnahmen ständig begleitet wird. Es kann keine Medizin der Epidemien geben, die nicht durch die Polizei ergänzt wird: man muß die Bergwerke und die Friedhöfe überwachen, man muß möglichst oft die Einäscherung der Leichen anstatt ihrer Beerdigung erreichen; man muß den Handel mit Brot, Wein und Fleisch kontrollieren; man muß den Schlachthäusern und den Färbereien Verordnungen auferlegen, man muß die ungesunden Wohnungen verbieten.
Nach einer detaillierten Untersuchung des gesamten Territoriums müßte man für jede Provinz eine Gesundheitsverordnung erlassen, die „bei der Predigt oder in der Messe alle Sonn- und Feiertage zu verlesen wäre und die Art beträfe, in der man sich ernährt und kleidet, wie man Krankheiten vermeidet, wie man herrschenden Krankheiten vorbeugt und wie man sie heilt. usw.usw.

Schließlich müßte man einen Stab von Gesundheitsinspektoren schaffen, die man auf verschiedene Provinzen verteilen könnte, indem man jedem ein bestimmtes Gebiet zuweist. Hier würde er medizinische Beobachtungen anstellen, aber auch solche, die sich auf die Physik, Chemie, Naturgeschichte, Topographie und Astronomie beziehen.
Er würde die notwendigen Maßnahmen anordnen und die Arbeit des Arztes kontrollieren.
Es wäre zu wünschen, daß es sich der Staat zur Aufgabe machte, diesen Ärzten das Auskommen zu sichern, und daß er die Auslagen übernähme, die die Neigung zu nützlicher Entdeckertätigkeit mit sich bringt.

Die Medizin der Epidemien widersetzt sich einer Medizin der Klassen ebenso, wie sich die kollektive Wahrnehmung eines globalen aber einzigen und sich niemals wiederholenden Phänomens von der individuellen Wahrnehmung abhebt, in der eine Wesenheit trotz der Vielfalt der Phänomene ständig als identisch erscheint.
In dem einen handelt es sich um die Analyse einer Serie, in dem anderen um die Entzifferung eines Typs; bei den Epidemien geht es um die Integration der Zeit und um die  Feststellung einer Kausalitätsbeziehung, bei den Arten um die Definition einer hierarchischen Stellung und um die Auffindung einer wesenhaften Kohärenz; handelt es sich hier um die nuancierte Wahrnehmung eines komplexen historischen und geographischen Raumes, so geht es dort um die Definition einer homogenen Ebene, auf der Analogien abzulesen sind.
Aber letzten Endes, wenn es sich um die tertiäre Konfiguration handelt, die die Krankheit, die medizinische Erfahrung und die Kontrolle des Arztes auf die gesellschaftlichen Strukturen bezieht, finden sich die Pathologie der Epidemien und die der Arten vor denselben Anforderungen, nämlich vor der Notwendigkeit, einen politischen Status der Medizin zu definieren und auf Staatsebene ein medizinisches Bewusstsein herzustellen, mit der Aufgabe ständiger Information, Kontrolle und Zwangsdurchsetzung.
All diese Dinge betreffen eben so sehr die Polizei, wie sie in den eigentlichen Bereich der Medizin gehört.“

Der tiefere Grund der Epidemie ist danach nicht die Pest oder Corona, es ist Marseille im Jahre 1721 oder Italien, China, Spanien, USA, Deutschland und die ganze Welt im Jahre 2020.

Wie können wir daran weiterdenken: nach Foucaults Ausführungen in „Wahnsinn und Gesellschaft“, nach „Überwachen und Strafen“, und hier die Forderung, einen politischen Status der Medizin zu definieren und auf Staatsebene ein medizinisches Bewusstsein herzustellen, mit der Aufgabe ständiger Information, Kontrolle und Zwangsdurchsetzung.

Eine Normalisierungsgesellschaft ist der historische Effekt einer auf das Leben gerichteten Machttechnologie.

April 2020, Judith Haman

dazu auch: Foucault II: Der Virus und die Biopolitik/-macht
in dem Blog diebresche
+
ein Gastkommentar von Giorgio Agamben:
Giorgio Agamben zum Umgang der liberalen Demokratien mit dem Coronavirus: Ich hätte da eine Frage

Video: Vérification de l’ombre • Judith Haman

Video: Judith Haman
Postproduction, Sound: Heiner Metzger

Hamburg 2020

Video: „able to keep a mask on the flaneur at all times“ • Judith Haman

„able to keep a mask on the flaneur at all times“
Judith Haman

Video; Produktion: Heiner Metzger
http://www.hierunda.de

Hamburg 2020

Video: Le clou du prophète • Judith Haman

Le clou du prophète

Konzept: Judith Haman

Video, Cut, Produktion:
Heiner Metzger

Hamburg 2020

Windbeutel • Rauminstallation 2002 Ziviljustizgebäude Hamburg • Judith Haman • neue Videos

W I N D B E U T E L

War eine Rauminstallation bezogen auf die Architektur und Geschichte der Grundbuchhalle, dem Erweiterungsbau des Ziviljustizgebäudes; Sievekingplatz 1, 20355 Hamburg,  erbaut 1928-1930, der Architekt war Oberbaudirektor Fritz Schumacher.

Der in den Innenhof vorspringende gerundete Flügel (hufeisenförmig) enthält eine durch drei Geschosse reichende 
Oberlicht-Treppenhalle mit Flurgalerien als einzigen architektonisch herausragenden Innenraum. 
Die Halle zeigt die Eisenbetonpfeiler ihrer Konstruktion, dazwischen sind farbige keramische Balustraden gestellt (Bildhauer Kuöhl). 
Die Treppe hat zur Halle hin ein den Balustraden zugehöriges Geländer. 

Zur Rückseite hin besteht das Geländer aus einem in Form von Hakenkreuzen gegliedertes Eisengitter. 
Die ausgehenden Flure von der Treppe kommend sind verbunden mit dem Altbau des Ziviljustizgebäudes und der hufeisenförmigen Lichthalle.Die „Lichthalle“ war seit 1930 Schauplatz von Verhandlungen, Vorträgen,
Treffen des Senats und der Richter und auch ein Ort für Festlichkeiten.
Prof. Peukert sprach vom „Gestapo-Anbau“.
Fritz Schumacher wurde 1933 zwangspensioniert.
Die letzten Hinrichtungen im Keller der Grundbuchhalle waren zum Kriegsende.

Aktuell dazu:
Bislang unbekannte Akten wurden gefunden „wie Hamburger Richter in der NS-Zeit urteilten“ (ARD Panorama 3.9.2019).
und
„Für Führer, Volk und Vaterland, Hamburger Justiz im Nationalsozialismus“, 
Klaus Bästlein, Helge Grabitz, Wolfgang Scheffler (Red.)
Justizbehörde Hamburg (Hg.),
1. Auflage 1992, Nachdruck 2019 
mit einer Einführung zur Neuauflage von Klaus Bästlein

mehr über Windbeutel >>>

Video # 2
Eröffnungskonzert:
Komposition „Die Lücke des Subjekts“, 
von Heiner Metzger
mit
Ge-Suk Yeo – Sopran
Hannes Wienert – Saxophon
Helmuth Neuman – Trompete; Perkussion
Heiner Metzger – Altklarinette

9. November 2008: Ende der „Schonzeit“ – zum 70. Jahrestag der Progromnacht 1938 in Hamburg-Altona. Ein Rundgang mit Judith Haman

9.11.2011 FSK Hamburg.
Ende der „Schonzeit“ – zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938 in Hamburg Altona.
Die Radiosendung dokumentiert den Rundgang am 9. November 2008 in der Großen Bergstraße. Interview mit Judith Haman, deren Antrag auf Teilnahme an den Altonaer Gedenkveranstaltungen 2008 von den Bezirkstags Fraktionen CDU/SPD/Grüne abgelehnt wurden.


Radiofeature:
Die Pogromnacht 1938 in Hamburg Altona, wie 2008 und jetzt daran erinnert wird. FSK 93,0 • 9.11.2011

Umgebungsrecherchen in der Großen Bergstraße
Die „Kunst“ des Herrschens der Nationalsozialisten, wie sie sich auch in Altona zeigte, offenbarte sich für die Mehrzahl der Deutschen nicht nur in „Nacht- und Nebel-Aktionen“ der Gestapo, sondern vielmehr in dem
unheimlichen, jedoch entwaffnend harmlos erscheinenden System der gegenseitigen Überwachung auf Nachbarschaftsebene. Altona war in 32 Ortsgruppen unterteilt, die in Zellen und Blöcke und Hausgruppen 
gegliedert waren.
Der berüchtigte Obersturmbannführer Hubert Richter wohnte in der Großen Bergstraße 130b.
Die Große Bergstraße reichte damals vom Altonaer Bahnhof bis zum Nobistor. Hier war das Zentrum jüdischer Geschäfte in Altona. Die jüdische Gemeinde zählte etwa 2.500 Menschen, am 1.4.1933 kam es zu ersten Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte. 
Einen Tag nach der Pogromnacht, am 10.11.38, begannen Verhaftungen und Deportationen.

Der 70. Jahrestag der Pogromnacht am 9. November 2008 war Anlass für historische Recherchen über die Große Bergstraße und für die Veranstaltung eines Rundganges mit Filmen, Bildern und
Diskussion in der Blinzelbar, Große Bergstraße 158.

Die Einladung zum 9.11.2008 zeigte den Straßenplan der Großen Bergstraße von 1937 und Texte eines Flugblatts der Weißen Rose. Der Stadtplan und das Adressbuch von 1937/38 waren Grundlage für mich, eine Karte der Großen Bergstraße mit den damaligen Nebenstraßen anzufertigen und darauf die Hausnummern und Namen der Ladenbesitzer nach Unterlagen aus den Archiven einzutragen.
Flugblätter der „Weißen Rose“ wurden auch in Altona im Keller von Prof. Dr. Günther Braun gedruckt. Er war Chefarzt für Hautkrankheiten im Altonaer Krankenhaus.
Als jüdischer Arzt durfte er nicht mehr praktizieren, musste dann als „Krankenbehandler“ in seiner Wohnung Schillerstraße 40 arbeiten, bis er und seine Familie deportiert wurden.

Rundgang am 9.11.2008

Der Rundgang begann vom Nobistor kommend Große Bergstraße Nr.39, heute Louise-Schröder-Straße, damals gab es dort
• Emma Nickels, Fischladen, dann
• Abraham Katz, Frisiersalon. An den Rabbiner 
• Eduard Duckesz, der in Altona als Lehrer tätig war, ermordet 1944, wird auf dem gegenüberliegenden jüdischen Friedhof erinnert.
Drei Gebäude Große Bergstr.18, 20, 22 waren „Judenhäuser“. Hier wurden 
jüdische Altonaer bis zur Deportation auf engstem Raum untergebracht, denen man die Wohnungen weggenommen hatte; der Rundgang dokumentiert weiter die Wohn und Geschäftsorte von:
• Samuel Rosentreter,
• August Steinberg,
• Fiedlers Strumpfladen, dessen Inhaber Bernhard Rosen im Juli 1938 auswanderte,
• das Kaufhaus Gustav Nathan, daneben
• Max Salomon, im Hinterhaus
Ehrhorn,
• Katz,
• Lorenz,
• Eichberg,
Grünbaum,
• Nagelberg, dann
• Tauerschmidt,
• Sternberg,
• Bösenberg,
• Kitzky,
• Morgenstern, 
• Woll-Meyer,
• Rosenberg,
• Freudenberg.
Der Rundgang umfasste ca. 40 Hausnummernmit nachweislich jüdischen Bewohnern oder Besitzern. Bei dem Rundgang wurden alle Orte jüdischer Bewohner und Läden mit weißer Farbe auf dem Gehweg gekennzeichnet.
Große Bergstr. 219-223, vor dem ehemaligen Wohnort von • Maria und Paul Chrupella, Zeugen Jehovas, wurden vor 2 Jahren die einzigen Stolpersteine in dieser Straße verlegt.

Auf dem Frappant Gelände, Nr.166-180 standen auch nach ’45 noch einige Stadthäuser, Dokumente über die ehemaligen Besitzer waren nicht aufzufinden. 
Welche Umeignung hatte hier während der Nazizeit stattgefunden? 
Die Häuser wurden in den 70er Jahren abgerissen und das erste Einkaufszentrum Deutschlands, das Frappant gebaut, demnächst steht hier ein Ikea-Klotz, mitten im Wohngebiet.

An der Ecke Große Bergstr. 250/ Altonaer Poststraße war das
• Cleja-Stift mit kleiner Synagoge und jüdischem Altenstift; es wurde später zum „Judenhaus“ erklärt. Nach 1948 genehmigte die  Baubehörde Hamburg Gewerbetreibenden den Teilwiederaufbau;  der Eintrag über die Eigentumsverhältnisse im Grundbuch fehlt.

Letzte Station des Rundgangs war Große Bergstr. 264/266 „Handelshof“, ehemals Amt für Beamte des NSDAP Reichsbund, Stadtkreis Altona und Teil der Gemeindeverwaltung, bis vor 5 Jahren war hier das Altonaer Finanzamt.
Auf Anfragen in einigen Läden, wer denn Vorbesitzer des Hauses gewesen sei oder Fragen nach den Eltern, die den Laden übernommen hatten, bekam ich unklare oder recht abweisende Antworten.

Dem Kulturausschuss im Altonaer Rathaus wurden diese Recherchen vorgestellt mit dem Anliegen, die Gedenkveranstaltung des Bezirksamtes zur Pogromnacht mit dem Rundgang auf der Großen Bergstraße
zu erweitern. Um sich vor Ort die nachbarschaftlichen Verhältnisse vor Augen zu führen, die es möglich machten, daß sämtliche jüdische Ladenbesitzer und Bewohner vertrieben und deportiert wurden.

Die Fraktionen CDU/SPD/Grüne/GAL entschieden dagegen. 
Die behördliche Gedenkfeier fand auf dem Platz der Republik statt.

Weitere Dokumente zum Rundgang von Judith Haman, mit dem Flugblatt der Weißen Rose und anderen Verweisen, sind auf der der Website: http://www.hierunda.de/archiv/Blinzelbar2008/Begegnung_Blinzelbar_Pogromnacht_20081109.html

Video: Köln, Berlin, Hamburg, Rom: Die Spiesserlein reissen alles ab! Performancevideo mit Dirk Thiele beim Offenen Atelier von Judith Haman am 28. September 2019

Video von Feuerloescher TV über die Performance von Dirk Thiele und Impressionen von der Ausstellung Offenes Atelier Judith Haman am 28.9.19

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